Homberger Geschichte
Malteser Krankenhaus St. Johannes-Stift
Wer die Geschichte des Homberger Krankenhauses schreiben will, kommt an drei Einflussgrößen nicht vorbei; dem
Pfarrer Matthias van de Loo, der Witwe Sibilla Großenbrink und natürlich den Clemensschwestern aus Münster.
Honoratioren aus Kirche und Gemeinde hatten schon früh bemerkt, dass mit einer gesunden Wirtschaftsstruktur auch eine gute medizinische
Versorgung Hand in Hand gehen müsse. Im Verwaltungsbericht des Jahres 1888 wurde bereits festgehalten, dass in Homberg ein Krankenhaus für
Personen fehle, die nicht in der Familie gepflegt werden können, zumal es auch keinen organisierten ambulanten Pflegedienst gab.
Als hauptsächlicher Initiator für die Einrichtung eines Krankenhauses ist Matthias van de Loo anzusehen. Des weiteren sei an dieser Stelle
erwähnt, dass seine Verdienste um die Gemeinde noch weit darüber hinaus gehen. Neben dem besagten für die Homberger Bürger so wertvollen
Krankenhaus ist der Name des Pfarrers auch mit dem Bau der Kirche St. Johannes und des katholischen Vereinshauses an der Viktoriastrasse eng
verbunden. Das Vereinshaus, das den seinerzeit gegründeten katholischen Standesvereinen eine Heimstatt war, kann inzwischen ebenfalls auf
eine über 100jährige Geschichte (seit 1893) zurückblicken. Matthias van de Loo trat am 21. Oktober 1870 als Nachfolger von Pfarrer Dieckmann
in der katholischen Kirchengemeinde „St. Johannes Baptist“ seinen Hirtendienst an. Aufgrund seines Wirkens in der Folgezeit kann man ihn – auch
wegen seines erheblichen Privatvermögens – als „Erbauer des Krankenhauses betrachten. Jedenfalls hatte er frühzeitig die Notwendigkeit einer
geordneten Krankenhilfe erkannt.
Am 01. November 1808 war durch den Generalvikar und späteren Erzbischof von Köln, Clemens-August zu Vischering, die „Ordensgemeinschaft
der Barmherzigen Schwestern der allerseligsten Jungfrau und schmerzhaften Mutter Maria“, im Volksmund „Clemensschwestern aus Münster“
genannt, gegründet worden. In jahrelangen Bemühungen war es Pfarrer van de Loo gelungen, einen „Pflegevertrag“ mit dem Direktorium
der „Barmherzigen Schwestern“ zu schließen und Helferinnen nach Homberg zu holen. Die beiden ersten Schwestern, Reinhildis und Nicodema,
nahmen im Januar 1888 ihren Dienst auf. Seit dieser Zeit waren bis zum Jahre 1983 ununterbrochen Clemensschwestern in Homberg tätig gewesen.
Im Jahre 1891 erhielten sie Unterstützung durch zwei „Diakonissen“, die von der evangelischen Kirchengemeinde zur Armen- und Krankenpflege
eingesetzt wurden.
Die caritative Versorgung der Bevölkerung durch die Ordensschwestern wurde von der Gemeindeverwaltung natürlich mit Wohlwollen betrachtet.
Obwohl das Problem der Krankenversorgung durch den Zuzug von Arbeitern im Laufe der voranschreitenden Industrialisierung immer dringlicher
geworden war, konnte man sich nicht zu einer eigenen Initiative entschließen. Doch die ambulante Krankenpflege der Bürger allein durch die
Schwestern war auf Dauer nicht zu bewältigen gewesen; die Notwendigkeit der Errichtung eines Krankenhauses wurde zunehmend deutlicher. Auch
die evangelische Kirchengemeinde konnte sich diesem Umstand nicht länger verschließen. Hier stand bereits ein Baukapital von 20.000 Mark
zur Verfügung, das allerdings nicht ausreichte, um ein solches Projekt in Angriff zu nehmen.
Es war schließlich die Erbschaft von Sibilla Großenbrink, die der Entstehung des katholischen Krankenhauses „auf die Beine half“. Die Witwe
hatte am 25. Oktober 1886 durch einen Notar besiegeln lassen, dass sie ihr gesamtes Vermögen der katholischen Kirchengemeinde für den Bau
eines Krankenhauses stiftet. Hinzu kamen Geld- und Gründstücksspenden der damaligen Kirchenvorstandsmitglieder Ludger Brandhoff und Karl
Uhrmann sowie Geldzuwendungen sonstiger wohlhabender Bürger und schließlich das bereits erwähnte beträchtliche Privatvermögen des Pfarrers
van de Loo. Dieser hatte nach langwierigen Verhandlungen mit seinen Kirchenoberen auch die Baugenehmigung erwirkt. Am 18. August 1893 wurde
der erste Spatenstich getan, und nach einem Jahr, genau am 26. August 1894, wurde der erste Krankenhausabschnitt mit 40 Betten vollendet und
eingeweiht.
Der Paragraph 1 der Krankenhausstatuten lautete: „Das St. Johannes-Hospital, Eigentum der katholischen Pfarrgemeinde zum heiligen Johannes
Baptist zu Homberg am Rhein, ist eine Krankenanstalt, worin Kranke ohne Unterschied der Religion und Konfession gepflegt werden.“ Die
evangelische Kirchengemeinde sah sich unter diesen Voraussetzungen zur Aufgabe ihres Krankenhausvorhabens veranlasst, obwohl der
entsprechende Fond inzwischen auf 80.000 Mark angewachsen war. Auch schritt die Errichtung des St. Johannes-Hospitals mit der Fertigstellung
des zweiten Bauabschnittes zügig voran, so dass für ein weiteres (evangelisches) Krankenhaus kein Bedarf mehr bestand. Aus dem gleichen
Grund scheiterte auch der kommunale Krankenhausbau, zumal bis zum Jahre 1909 erst 10.200 Mark im Haushalt veranschlagt waren.
Um eine schnelle Beförderung des Kranken von der Unfallstelle oder der Wohnung zu gewährleisten, bestellte die Gemeinde zum Preis von
2.260 Mark bei einer Firma in Barmen als Krankentransportwagen ein Pferdefuhrwerk, das Ende 1907 in Homberg eintraf. Der Wagen war außen
dunkelgrün, innen mit Emaillefarbe in einem Elfenbeinton gestrichen und so ausgerichtet, das er ein- und zweispännig benutzt werden konnte.
Der Gebrauch des Wagens war gebührenfrei; der Besteller musste jedoch den Fuhrlohn zahlen.
In den folgenden Jahren wurden stetige Erweiterungen an dem Krankenhaus vorgenommen. Inzwischen waren acht Clemensschwestern in der
Institution tätig; im Jahre 1908 waren es bereits 22 Helferinnen, die 1.294 Patienten betreuten. Die immer noch verbreiteten, ansteckenden
Krankheiten Diphtherie, Scharlach und Typhus machten schließlich die Einrichtung einer Isolierstation erforderlich. Hierfür stellte die
Gemeinde kostengünstig ein Grundstück zur Verfügung, so dass mit dem Bau unverzüglich begonnen werden konnte. 1912 wurden schließlich die
Privatstation, der Gartenflügel und das Wirtschaftsgebäude in den Krankenhauskomplex integriert.
Während des Ersten Weltkrieges konnte das Hauptgebäude nicht alle Patienten aufnehmen. Daher entschloss man sich, vor dem Isolierhaus,
parallel zur Marienstrasse, eine Steinbaracke zu errichten, damit auch die verwundeten Kriegsgefangenen ärztlich betreut werden konnten.
Später war in diesem Behelfshaus die Werkstatt des Krankenhauses untergebracht. In dieser Form bestand das Krankenhausgebäude bis in die
fünfziger Jahre; bis auf geringfügige Schäden blieb es von Bombenangriffen verschont.
Durch umfangreiche Neu- und Erweiterungsbauten in den Jahren 1955 bis 1970, die auch einen stufenweisen Abriss notwendig machten, hatte
der Krankenhauskomplex schließlich 352 Betten in den Abteilungen Chirurgie (57). Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (60) sowie Hals-,
Nasen- und Ohrenkrankheiten (Belegbetten).
Im Jahre 1970 entstand eine selbständige Anästhesie- und Intensivmedizinabteilung. Die Arzneibeimittelversorgung wurde seit 1983 durch
eine eigenständige Krankenhausapotheke geregelt, die jedoch vor einigen Jahren aufgegeben wurde. Seit 1986 besteht auch eine Einrichtung
für Geriatrie und Frührehabilitation. Im Rahmen einer grundlegenden Neuordnung der Krankenhauslandschaft im Raum Duisburg im Jahre1988 musste
auch die Bettenzahl des Homberger Krankenhauses auf derzeit 283 reduziert werden. Der gravierendste Einschnitt war die Schließung der
Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe. Anfang der neunziger Jahre nahm man weitere Modernisierungen vor; so wurden Schwerpunkte in der
Arthroskopie und der Gefäßchirurgie gesetzt. Auch die Spezialisierung in der Chirurgie wurde konsequent fortgeführt; ebenso vollzog man
in den Medizinischen Kliniken eine Aufspaltung in Fachdisziplinen. Im Zuge der eigenfinanzierten und öffentlich geförderten Baumaßnahmen
wurden im Frühjahr 1997 die Zentralsterilisation und im September 1997 die neue Intensivstation mit Aufwachraum in Betrieb genommen.
Seit Juni 1998 können zudem alle operativ tätigen Abteilungen ihre Patienten in dem ebenfalls modernisierten Zentral-OP behandeln. Die durch
diesen Umbau geschaffenen und dem neuesten medizinischen Standard entsprechenden Einheiten bieten nunmehr eine Versorgung des Patienten auf
einer Ebene.
Die neue Gestaltung der Außenanlagen in Form eines Patienten- und Therapiegartens bietet Patienten und Besucher sowie die therapeutische
Betreuung in Anbindung an die im Jahre 2000 neu gestaltete Physikalische Therapie.
Um auf dem neuesten Stand zu bleiben, waren weitere Umbaumaßnahmen ab der zweiten Jahreshälfte 2002 erforderlich. Im Februar 2003 konnte
den Patienten und Besuchern die funktionell neu gestalteten Räume der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und die der Funktionsbereiche
der Inneren Abteilung (Endoskopie, EKG) vorgestellt werden. In den Jahren 2004 – 2006 standen erneut große bauliche Veränderungen an. Die
Stationen sind nunmehr komplett saniert und entsprechen somit den aktuellen technischen Anforderungen und bieten dem Patienten deutlich
mehr Komfort (u.a. eigene Nasszellen/Sanitärbereiche in jedem Patientenzimmer).
Für die Zukunft ist gegenüber dem Haupteingang, auf einem Grundstück zwischen der Hochfeld- und Johannisstrasse gelegen, ein großzügig
angelegter Parkplatz vorgesehen. Im ehemaligen, bisher nur von der Geschäftsführung und Verwaltung genutzten Gebäude, welches gegenüber
dem Krankenhaus an der Johannisstrasse liegt, wird ein Ärztehaus entstehen. Der Außenbereich des Krankenhauses wird ebenfalls neu gestaltet.
Im Jahre 2004 erfolgte ein weiterer große Veränderung für das Krankenhaus. Die Katholische Kirchengemeinde St. Johannes-Baptist übergab
die Trägerschaft der Klinik an die Malteser St. Anna gGmbH und trägt nunmehr den Namen „Malteser Krankenhaus St. Johannes-Stift“.
Weitere Einzelheiten finden Sie unter www.malteser-stjohannesstift.de.